Garnison Wiesbaden

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

50.0820° N, 8.2417° O

Heutiger Name

Wiesbaden

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Über die Garnison Wiesbaden

Bis 1866 war Wiesbaden Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Nassau und beherbergte dessen Truppen: seit 1802/03 Teile der Infanterie, ab den 1820er Jahren die aus acht Waterloo-Beutegeschützen aufgebaute Artillerie, die Herzog Adolph ausdrücklich in der Stadt haben wollte, obwohl Wiesbaden für die Unterbringung von Pferden als zu wasserarm galt. Nach der Niederlage Österreichs und Nassaus im Deutschen Krieg annektierte Preußen das Herzogtum. Wiesbaden verlor den Hof und wurde Sitz einer königlichen Regierung — Hauptstadt des Regierungsbezirks Wiesbaden in der neu gebildeten Provinz Hessen-Nassau.

Die nassauischen Truppen gingen in die preußische Armee über. Die frühere Landesartillerie wurde 1866 als II. Fußabteilung in das Hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 11 eingegliedert und blieb in Wiesbaden; die III. Abteilung kam nach Mainz und Kastel. In den Jahren nach dem Deutsch-Französischen Krieg wurde daraus das 1. Nassauische Feldartillerie-Regiment Nr. 27. Am 27. Januar 1902, seinem Geburtstag, verlieh Wilhelm II. dem Regiment den Namenszusatz „Oranien" — eine Anspielung auf das nassau-oranische Erbe der Stadt. Ebenfalls 1866 entstand das Hessische Füsilier-Regiment Nr. 80, das am 27. Januar 1889 nach dem 1870 bei Sedan gefallenen General Hermann von Gersdorff benannt wurde und als Wiesbadener „Hausregiment" galt.

Der Verwaltungsrahmen wechselte im Kaiserreich zweimal. Die 21. Division mit Kommando in Frankfurt am Main gehörte zunächst zum XI. Armeekorps in Kassel; am 1. April 1899 wurde in Frankfurt das XVIII. Armeekorps errichtet, dessen Bezirk das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, den südlichen Teil der Provinz Hessen-Nassau sowie Wetzlar und Arnsberg umfasste. Wiesbaden lag damit im XVIII. Korpsbezirk. Bemerkenswert ist, was die Stadt nicht hatte: Weder Generalkommando noch Divisions-, Brigade- oder Regimentsstab der Artillerie saßen hier. Die 42. Infanterie-Brigade und die 21. Feldartillerie-Brigade führten von Frankfurt aus. Für eine Stadt, die 1910 rund 109.000 Einwohner zählte, war das eine auffallend dünne militärische Kommandodecke.

In der Friedensgliederung von 1914 lag in Wiesbaden das Füsilier-Regiment „von Gersdorff" (Kurhessisches) Nr. 80, dessen Bataillone auf Wiesbaden und Homburg vor der Höhe verteilt waren; zusammen mit dem Infanterie-Regiment Nr. 81 in Frankfurt bildete es die 42. Infanterie-Brigade. Hinzu kam eine Abteilung des Feldartillerie-Regiments „Oranien" Nr. 27, dessen übrige Teile in Mainz-Gonsenheim standen. Ein Nachschlagewerk von 1905 nennt für Wiesbaden ebenfalls „2 Bataillone Infanterie Nr. 80 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 27". Kavallerie, Fußartillerie, Pioniere und Train lagen anderswo im Korpsbezirk — die Pionier-Bataillone Nr. 21 und Nr. 25 etwa in Mainz-Kastel, das damals zum Großherzogtum Hessen und zur Festung Mainz gehörte und erst 1945 zu Wiesbaden kam.

Die Kasernen der Stadt lassen die Entwicklung ablesen. Die klassizistische Infanteriekaserne an der Schwalbacher Straße von 1816–1819 wurde 1911/12 abgebrochen; die mächtige Artilleriekaserne von 1828/29 im Viereck zwischen Luisenstraße, Schwalbacher Straße, Rheinstraße und Kirchgasse beherbergte bis 1866 die nassauische Artillerie und die Pioniere, danach bis 1911 Teile des Regiments Nr. 27. Auf einem Teil ihres Geländes entstand 1913 die Landesbibliothek. Ersatz bot ein weiträumiges Neubauareal westlich der Schiersteiner Straße, das seit 1868 als Exerzierplatz diente: 1896/97 die neue Infanteriekaserne, 1907–1912 in zwei Bauabschnitten die Feldartilleriekaserne an der Homburger Straße, dazu Garnisonslazarett, Offizierskasino und Nebenanlagen.

Was Wiesbaden von anderen preußischen Regimentsstandorten unterschied, war die Verbindung von Militär und Kurbetrieb. Nach 1866 beschloss die preußische Militärverwaltung, ein eigenes „Militär-Curhaus zur Heilung und Gesundung" zu errichten, um kranke und verwundete Soldaten planmäßig an die heißen Quellen zu schicken. Nach Plänen des Baurats Philipp Hoffmann entstand 1868–1871 am Schlossplatz die burgartige Kaiser-Wilhelms-Heilanstalt mit Platz für 88 Mannschaften und 11 Offiziere, 16 Badezellen und einem Schwimmbecken. Hinzu kam die gesellschaftliche Seite: Wilhelm II. hielt sich seit 1896 alljährlich im Mai in Wiesbaden auf, finanzierte die Internationalen Maifestspiele und bestimmte deren Programm mit; überliefert sind Kaiserparaden vor dem alten Kurhaus. Die Garnison lieferte dazu die Kulisse, ohne die Stadt wirtschaftlich zu prägen — Wiesbaden lebte von Kurgästen, deren Zahl 1907 über 180.000 lag, nicht von der Truppe.

Mit der Mobilmachung am 2. August 1914 endete das. Die 21. Division rückte im Verband der 4. Armee durch Luxemburg in die Ardennen; am 22. August 1914 kämpften die Achtziger bei Maissin, Anloy, Bertrix und Ochamps. Es folgten Marne, Reims, Somme, 1916 Verdun, 1917 ein halbjähriger Einsatz im Osten zwischen Njemen und Narotsch, ab 1918 die Rückzugskämpfe an Ancre, Somme und Avre. Das 1930 auf dem Neroberg eingeweihte „Ehrenmal der Achtziger" von Edmund Fabry und Arnold Hensler nennt auf acht Gedenksteinen die Schlachten und Verluste von acht Formationen der Regimentsfamilie; auf dem Hauptblock steht: „15680 Kameraden kehrten nicht zurück".

Nach der Niederlage kehrten die Wiesbadener Regimenter nicht in ihre Garnison zurück — die Füsiliere wurden in Braunfels an der Lahn demobilisiert, die Artilleristen in Weilburg. Eine deutsche Garnison gab es danach nicht mehr. Stattdessen zogen ab 1918 französische Besatzungstruppen in die Kasernen an der Schiersteiner Straße ein und benannten sie in „Foch-Kaserne" und „Pétain-Kaserne" um; 1925 übernahmen die Briten und machten daraus „Saint Andrews Barracks" und „Ypres Barracks". Erst der Abzug der Besatzung 1930 machte den Weg für das Regimentsdenkmal auf dem Neroberg frei.

Militärisch genutzt blieb das Gelände über alle Brüche hinweg. 1936 wurde Wiesbaden wieder deutsche Garnisonsstadt und Sitz des Generalkommandos des XII. Armeekorps; damals erhielten die drei Kasernenteile die Namen Gersdorff-Kaserne, Oranien-Kaserne und Ochamps-Kaserne, letztere im Dezember 1937 eingeweiht und nach dem belgischen Ort des Gefechts von 1914 benannt. Ab 1945 übernahmen die Amerikaner das Areal als Camp Lindsey beziehungsweise Lindsey Air Station, von 1954 bis 1973 Hauptquartier der US-Luftstreitkräfte in Europa; 1993 kam es zurück und wurde als Europaviertel zum Wohnquartier, mit erhaltenen denkmalgeschützten Bauten. Die 1857–1860 errichtete Rheinkaserne im damals noch selbstständigen Biebrich, die zeitweise eine königlich preußische Unteroffiziersschule aufnahm, dient heute dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie; die Hindenburg-Kaserne von 1914–1916 an der Äppelallee wurde Sitz des Bundeskriminalamts.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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