Garnison Zossen

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Koordinaten

52.2159° N, 13.4489° O

Heutiger Name

Zossen

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Über die Garnison Zossen

Zossen war bis zur Jahrhundertwende eine kleine Ackerbürgerstadt im Kreis Teltow, rund 35 Kilometer südlich von Berlin, im Bezirk des III. Armeekorps (Generalkommando Berlin). Mit dem Militär kam die Stadt zunächst über die Schiene in Berührung: Seit 1875 führte die Königlich Preußische Militäreisenbahn von Berlin-Schöneberg über Zossen nach Jüterbog, betrieben vom Eisenbahn-Regiment der Verkehrstruppen. Auf dieser Strecke erreichte im Oktober 1903 ein elektrischer Drehstrom-Triebwagen zwischen Marienfelde und Zossen 210 Kilometer pro Stunde – ein damaliger Weltrekord. Die Eisenbahntruppen selbst lagen jedoch in Berlin-Schöneberg, nicht in Zossen; die Bahn machte den Ort bekannt, aber nicht zur Garnison.

Das änderte sich, als das Kriegsministerium ab 1906 zwischen Zossen und Wünsdorf einen großen Truppenübungsplatz für das Gardekorps und das III. Armeekorps anlegen ließ; die eigentlichen Erdarbeiten begannen 1909. Für den Schießbetrieb musste die Gemeinde Zehrensdorf weichen: Ihre Bewohner wurden zwischen 1909 und 1911 abgesiedelt, und am 16. Februar 1912 entstand aus dem Gelände der reichseigene Gutsbezirk Zehrensdorf mit 3.183 Hektar. 1911 erhielt der Platz eine eigene Kommandantur unter Generalmajor Schneider, der bis 1920 im Amt blieb. Wie die Kommandanturen der übrigen Übungsplätze stand sie außerhalb der Regimentsgliederung und verwaltete den Betrieb des Platzes.

Am Nordrand des Geländes, bei der Stadt Zossen, entstand 1910/11 das Stammlager Zossen, ein ausgedehntes Barackenlager mit eigener Ziegelei-Infrastruktur. Es wurde von Berliner und brandenburgischen Regimentern belegt, die zu Übungen, Schießausbildung und Besichtigungen anrückten – die Belegung wechselte mit dem Übungskalender. Ein Truppenteil mit Zossen als Friedensstandort lag in der Stadt selbst nicht; für die Kernstadt gilt damit dasselbe Muster wie für Alten-Grabow: Platzkommandantur ja, Friedensgarnison nein.

Anders im benachbarten Wünsdorf, damals eigene Gemeinde, heute Ortsteil der Stadt Zossen. Dorthin verlegte die preußische Armee die Infanterie-Schießschule, die zuvor auf dem Schießplatz Spandau-Ruhleben gearbeitet hatte. Die repräsentative Anlage mit Hauptwache, Wirtschaftsgebäuden, Exerzier- und Reithalle, Kasino und Garnisonlazarett wurde ab 1906 gebaut, 1910 eröffnet und 1913 fertiggestellt; im Oktober 1913 nahm das Stammbataillon der Schule den Dienst auf. Damit lag am Platz erstmals ein ständiger Verband – das Muster Munster, wo ab 1912 ein Telegraphen-Bataillon den Übungsplatz zur Garnison machte, wiederholte sich hier mit einer Schule samt Stammtruppe. Unmittelbar vor dem Krieg begann zudem der Neubau der aus Berlin verlegten Militärturnanstalt (errichtet 1914–1916), der späteren Heeressportschule.

Mit Kriegsbeginn 1914 wandelte sich der Platz. Der Schulbetrieb ruhte, die Schießschule wurde Lazarett und Genesungsheim; im Stammlager Zossen wurden Ersatztruppenteile des Garde- und des III. Armeekorps aufgestellt und ausgebildet. Zugleich entstanden zwei Kriegsgefangenenlager: ab November 1914 das Weinberglager am südlichen Stadtrand von Zossen, vor allem für muslimische Gefangene aus der russischen Armee, darunter viele Tataren, sowie an der Chaussee Wünsdorf–Zehrensdorf das Halbmondlager für muslimische Soldaten aus den britischen und französischen Kolonialtruppen – Nordafrikaner, Inder, Senegalesen.

Beide Lager waren Teil eines politischen Experiments. Auf Betreiben des Diplomaten Max von Oppenheim und der Nachrichtenstelle für den Orient sollten die Gefangenen im Sinne der deutsch-osmanischen Dschihad-Propaganda gegen ihre Kolonialmächte gewonnen werden; eine Lagerzeitung namens „El Dschihad“ erschien in mehreren Sprachen. Am 13. Juli 1915 wurde im Halbmondlager eine hölzerne Moschee mit 23 Meter hohem Minarett eingeweiht, die erste Moschee auf deutschem Boden – zugleich Vorzeigeobjekt für die Weltöffentlichkeit. Der Erfolg blieb gering: Nur ein Teil der Gefangenen ließ sich anwerben, die aufgestellten Verbände galten als unzuverlässig, und 1917 wurde ein Großteil der Verbliebenen zum Arbeitseinsatz nach Rumänien verlegt. Zu den Zahlen gehen die Angaben auseinander: Populäre Darstellungen nennen rund 30.000 Gefangene, die Forschung (Gerhard Höpp) beziffert die Kapazität des Halbmondlagers auf etwa 4.000 und die des Weinberglagers auf etwa 12.000 Menschen; die 30.000 dürften den Gesamtdurchlauf beider Lager meinen. Die Königlich Preußische Phonographische Kommission um Wilhelm Doegen nutzte die Lager für Sprach- und Musikaufnahmen in über 250 Sprachen. 969 verstorbene Gefangene wurden auf dem Friedhof Zehrensdorf beigesetzt, darunter 412 russische und 205 indische Soldaten; die indische Kriegsgräberstätte wurde 2005 durch die Commonwealth War Graves Commission wiederhergestellt.

Nach 1918 diente das ehemalige Halbmondlager als Internierungs- und Heimkehrerlager mit zeitweise 4.000 Menschen. Die Moschee verfiel und wurde in den 1920er Jahren abgerissen – die Angaben schwanken zwischen 1925/26 und 1928, als in Berlin-Wilmersdorf ein fester Moscheebau entstand. Die Schießschule beherbergte 1921 bis 1932 ein Ausbildungsbataillon des 9. (Preußischen) Infanterie-Regiments, ab den 1930er Jahren wurden Zossen und Wünsdorf Zentrum der neuen Panzertruppe und ab 1939 Sitz des Oberkommandos des Heeres in den Bunkeranlagen Maybach I und II. Von 1945 bis 1994 war Wünsdorf als „verbotene Stadt“ Hauptquartier der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Heute erinnern die denkmalgeschützten Bauten der Schießschule und der Militärturnanstalt, die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf und das Garnisonsmuseum an gut ein Jahrhundert Militärgeschichte.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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