Garnison Darmstadt

Großherzogtum Hessen
Heeresstandort

Großherzogtum

Truppengattung

Heer

Koordinaten

49.8728° N, 8.6512° O

Heutiger Name

Darmstadt

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Über die Garnison Darmstadt

Darmstadt war im Kaiserreich Residenz- und Hauptstadt des Großherzogtums Hessen, und es war zugleich der Ort, an dem das gesamte Militär dieses Bundesstaates gebündelt war. Anders als in preußischen Provinzstädten, in denen eine Garnison eine Verwaltungseinheit unter vielen bildete, fiel hier die Militärhierarchie mit der Landeshauptstadt zusammen: Der Stab der Großherzoglich Hessischen (25.) Division saß in Darmstadt, und diese eine Division war das komplette Heereskontingent Hessens.

Der Weg dorthin führte über eine Niederlage. Das Großherzogtum hatte 1866 auf österreichischer Seite gegen Preußen gestanden. Im Friedensvertrag vom 3. September 1866 trat nur der nördlich des Mains gelegene Landesteil, die Provinz Oberhessen, dem Norddeutschen Bund bei; Starkenburg und Rheinhessen blieben zunächst außen vor. Die Militärkonvention vom 7. April 1867 zog dennoch die gesamte großherzogliche Armeedivision unter preußisches Kommando und formte sie zur Großherzoglich Hessischen (25.) Division mit Hauptquartier Darmstadt. Die zweite Konvention vom 13. Juni 1871 trat zum 1. Januar 1872 in Kraft und gliederte die Verbände endgültig in Etat und Verwaltung der Preußischen Armee ein. Das hessische Kriegsministerium wurde daraufhin aufgelöst, höhere Kommandostellen wurden zunehmend mit Preußen besetzt.

Was dem Großherzog blieb, war schmal. Hessen war beim Beitritt zum Reich 1870/71 der größte deutsche Staat ohne Reservatrechte – Reservatrechte, wie sie Bayern, Württemberg und Sachsen für ihr Militär durchsetzten, gab es hier nicht. Erhalten blieben im Wesentlichen Formen: Die Division blieb als geschlossener Verband bestehen, die Regimenter behielten den Zusatz „Großherzoglich Hessisch" und ihre alten Namen, und die Truppen lagen im Frieden im Großherzogtum selbst, abgesehen von außerordentlichen Fällen. Großherzog Ernst Ludwig war im Ersten Weltkrieg nominell General der Infanterie, übernahm aber kein eigenes Kommando; er besuchte mehrfach das Hauptquartier der Division in Frankreich.

Der Verwaltungsrahmen wechselte einmal. Nach 1871 gehörte die 25. Division zum XI. Armeekorps mit Generalkommando in Kassel, dem auch die 21. Division in Frankfurt am Main und die 22. Division in Kassel unterstanden. Am 1. April 1899 wurde das XVIII. Armeekorps mit Generalkommando in Frankfurt am Main neu errichtet; ihm gehörten fortan die 21. Division in Frankfurt und die 25. Division in Darmstadt an. Bei diesem Korps blieb es bis 1918.

In Darmstadt selbst lagen der Divisionsstab, die 49. Infanterie-Brigade (1. Großherzoglich Hessische), die 25. Kavallerie-Brigade und – seit ihrer Aufstellung am 1. Oktober 1899 – die 25. Feldartillerie-Brigade. Die zweite Infanteriebrigade der Division, die 50., hatte ihren Stab in Mainz. Die Infanterieregimenter der Division waren über das Land verteilt: Nr. 116 lag in Gießen, Nr. 117 in Mainz, Nr. 118 in Worms, das 1897 neu aufgestellte Nr. 168 in Offenbach am Main. In der Residenz stand von den Infanterieregimentern nur eines – das Leibgarde-Infanterie-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115.

Dieses Regiment war die Besonderheit des Standorts. Landgraf Ludwig V. hatte es mit dem Stiftungstag 11. März 1621 aufgestellt, und 1914 galt es als das älteste aktive Regiment Deutschlands. Untergebracht war es in der Infanteriekaserne an der Alexanderstraße, einem Bau von 1829/30 nach Plänen des Architekten Franz Heger, den die Adressbücher ab 1917 als Ernst-Ludwig-Kaserne führen. Aufgelöst wurde das Regiment nach der Demobilmachung am 23. April 1919.

Die Kavallerie war ab 1898 vollständig in Darmstadt vereinigt, nachdem das Garde-Dragoner-Regiment (1. Großherzoglich Hessisches) Nr. 23 aus Butzbach verlegt worden war; das Leib-Dragoner-Regiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 lag ohnehin hier. Für die Dragoner entstand 1891 bis 1897 eine neue Kavalleriekaserne an der Holzhofallee am Südrand des Exerzierplatzes. Die Artillerie nutzte die Kaserne an der Heidelberger Straße, um die Jahrhundertwende kamen an Eschollbrücker und Bessunger Straße eine zweite Artilleriekaserne für das 1899 aufgestellte Feldartillerie-Regiment Nr. 61 sowie die Trainkaserne hinzu. Das Militär war in der Stadt allgegenwärtig: 1890 zählte Darmstadt bei 56.503 Einwohnern 3.208 aktive Militärpersonen, um 1900 umfasste die Garnison rund 5.000 bis 6.000 Mann.

Vor den Toren lag der Übungsplatz, der Darmstadt über die Garnison hinaus bekannt machte. Am 2. Januar 1874 verkaufte die Gemeinde Griesheim rund 380 Hektar an das preußische Kriegsministerium; der „Griesheimer Sand" wurde Schießplatz und nahm jährlich etwa 20.000 Soldaten auf. Kaiser Wilhelm I. wohnte dort am 24. September 1877 einem Manöver bei. Auf dem Fuß-Exerzierplatz pachtete 1908/09 der Flugpionier August Euler Gelände für seine Versuche und eröffnete den ersten deutschen Flugplatz; 1913 wurde daraus die Fliegerstation Darmstadt-Griesheim. Im Ersten Weltkrieg kamen in der Stadt am Dornheimer Weg eine Luftschiffer- und eine Funkerkaserne hinzu.

Das Ende kam schnell. Rund 32.000 Männer der Großherzoglich Hessischen (25.) Division starben im Ersten Weltkrieg. Am 9. November 1918 setzte der Darmstädter Arbeiter- und Soldatenrat Großherzog Ernst Ludwig ab; die Division wurde im Januar 1919 demobilisiert und aufgelöst, die Regimenter folgten bis in den Frühling 1919. Von den Kasernenbauten des 19. Jahrhunderts überstanden die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs nur Fragmente. Die ehemalige Infanteriekaserne an der Alexanderstraße beherbergt heute Institute der Technischen Universität Darmstadt, Reste der Dragonerkaserne am Marienplatz stecken in den Gebäuden der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Teile der alten Artilleriekaserne dienen unter anderem dem Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, in der Kavalleriekaserne an der Holzhofallee sitzt unter anderem das Verlagsgebäude des Darmstädter Echo, und auf dem Train- und Artillerieareal an der Eschollbrücker Straße arbeiten heute der Hessische Rechnungshof und städtische Dienststellen. An die Gefallenen der Leibgarde erinnert seit 1928 das Löwendenkmal von Heinrich Jobst am Friedensplatz.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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