Garnison Meiningen

Herzogtum Sachsen-Meiningen
Heeresstandort

Herzogtum

Truppengattung

Heer

Waffengattungen

Koordinaten

50.5676° N, 10.4153° O

Heutiger Name

Meiningen

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Über die Garnison Meiningen

Meiningen war seit 1680 Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen, und mit der Residenz kam das Militär. Schon bald nach der Gründung des Herzogtums entstand vor dem Oberen Tor im Süden der Stadt die Obere Kaserne für das „Meininger Kontingent“ jener Streitkräfte, die die thüringischen Herzog- und Fürstentümer gemeinsam unterhielten. Als Mitglied des Deutschen Bundes stellte das Herzogtum 1150 Mann Infanterie und bildete damit das 3. Bataillon der Reservedivision des Bundesheeres; 1856 wurde das Kontingent von einem Bataillon nebst Schützenabteilung auf zwei Bataillone zu je vier Kompanien vergrößert. Weil die alte Kaserne dafür zu klein war, funktionierte die herzogliche Regierung 1844 eine ehemalige Tabakfabrik am Beginn der Leipziger Straße zur Neuen Kaserne um.

Auch die genügte nach zwanzig Jahren nicht mehr. Ab 1865 errichtete Oberbaurat Otto Hoppe am Ende der Lindenallee, damals am nördlichen Stadtrand, eine große neue Kaserne für rund 1700 Mann – die spätere Haupt- oder Stadtkaserne. Fertig wurde sie 1867, doch für das Meininger Kontingent wurde sie nie bezogen. Herzog Bernhard II., zugleich Oberbefehlshaber seiner Truppen, hatte sich im Deutschen Krieg 1866 auf die Seite Österreichs gestellt. Im August 1866 besetzten zwei preußische Bataillone Meiningen. Das eigene Kontingent, das zu dieser Zeit bei Mainz stand, eilte zurück, wurde aber kurzfristig nach Hildburghausen verlegt. Preußen erzwang die Abdankung des Herzogs zugunsten seines Sohnes Georg II. als Preis für den Fortbestand eines eigenständigen Herzogtums; am 8. Oktober 1866 wurde der Friedensvertrag mit Preußen geschlossen, das Land trat dem Norddeutschen Bund bei.

Die militärische Eingliederung folgte im Februar 1867. Sachsen-Weimar-Eisenach schloss am 4. Februar 1867 eine Militärkonvention mit Preußen, ergänzt durch ein Protokoll vom 22. Februar 1867; Sachsen-Meiningen gehörte zu den kleineren Staaten, die diesem Vertragswerk beitraten. Am 15. September 1873 wurde die Konvention erneuert. Inhaltlich bedeutete sie den Verzicht auf nahezu alle militärischen Hoheitsrechte: Das Ernennungsrecht für die Offiziere des eigenen Kontingents ging an den preußischen König und späteren Kaiser über, die Truppenteile wurden der preußischen Verwaltung unterstellt beziehungsweise vollständig mit der preußischen Armee verschmolzen. Den Landesherren blieben im Wesentlichen Ehrenrechte und äußere Unterscheidungszeichen wie eigene Kokarden.

Das meiningische Kontingent bildete zusammen mit dem von Sachsen-Coburg und Gotha das am 1. Oktober 1867 aufgestellte 6. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 95. Bemerkenswert ist die Verteilung: Stab und I. Bataillon lagen in Gotha, das Füsilier-Bataillon in Coburg, und das aus den Meiningern gebildete II. Bataillon stand in Hildburghausen. In der Residenzstadt selbst lag also gerade nicht die Nachfolgeeinheit der eigenen Truppe. Wer in Meiningen Uniformen sah, sah preußische: Nach dem Deutschen Krieg verlegte die preußische Armee das 2. Thüringische Infanterie-Regiment Nr. 32 endgültig in die Stadt. Dieses Regiment war 1815 in Wesel aus drei Landwehrbataillonen der Befreiungskriege gebildet und erst am 7. Mai 1861 auf seinen thüringischen Namen gebracht worden – mit Sachsen-Meiningen hatte es keinerlei Vorgeschichte.

In die neue Hauptkaserne zogen das I. und II. Bataillon des Regiments Nr. 32 ein und blieben dort bis zur Demobilisierung im Dezember 1918. Bereits 1873 kamen erste Nebengebäude hinzu, darunter ein Lazarett. Das III. (Füsilier-)Bataillon fehlte zunächst; es verblieb in Kassel und lag nach dem Deutsch-Französischen Krieg in Hersfeld. Für dieses Bataillon errichtete die preußische Armee 1885/86 in der Leipziger Straße die Nordkaserne mit zwei großen Mannschaftsgebäuden, einem Offiziersgebäude und mehreren Wirtschaftsbauten. Damit war Meiningen Standort eines vollständigen Infanterieregiments.

Verwaltungsmäßig gehörte Meiningen zum XI. Armee-Korps mit Sitz in Kassel. Das Regiment Nr. 32 stand in der 22. Division und 1914 in deren 44. Infanterie-Brigade, gemeinsam mit dem 1. Ober-Elsässischen Infanterie-Regiment Nr. 167. Auch das Regiment Nr. 95 mit dem meiningischen Bataillon unterstand dem XI. Armee-Korps, zunächst in der 43. Infanterie-Brigade der 22. Division, später in der 76. Infanterie-Brigade der 38. Division. Das gesamte Herzogtum lag im Ersatzbezirk dieses Korps – Rekrutierung, Ersatzwesen und Landwehrverwaltung liefen über preußische Stellen.

Die dynastische Klammer blieb sichtbar. König Wilhelm I. ernannte Herzog Georg II. am 31. Oktober 1867 zum Regimentschef des Infanterie-Regiments Nr. 32, das in seiner eigenen Residenzstadt lag; die Chefstelle war seit dem Tod des Generals der Infanterie Hans Wilhelm von Schack 1866 vakant gewesen. Georg II. war preußischer General der Infanterie und begleitete 1870/71 das Regiment Nr. 95 ins Feld. Später trat er militärisch kaum noch hervor und vermied es als Landesherr, Uniform zu tragen. Seine Wirkung lag anderswo: Mit Ellen Franz und Ludwig Chronegk reformierte er das Regietheater und machte die „Meininger“ zwischen 1874 und 1890 durch Gastspiele in Berlin, Wien, Moskau und London europaweit bekannt. Die Stadt selbst wuchs in dieser Zeit erheblich – von rund 5700 Einwohnern 1833 auf 17.131 im Jahr 1910 –, überstand 1874 einen verheerenden Stadtbrand, erhielt 1909 ein neues Theatergebäude und 1914 die Hauptwerkstatt der Preußischen Staatsbahn. Um 1900 nannte man Meiningen zugleich Bankenstadt, Garnisonsstadt und Eisenbahnerstadt; die Hauptkaserne, einst am Rand gelegen, lag inzwischen mitten im gewachsenen Stadtgebiet.

Im Ersten Weltkrieg machte das Regiment Nr. 32 am 2. August 1914 mobil, kämpfte zunächst bei der 22. Division und ab dem 15. Mai 1915 bei der 103. Infanterie-Division an West- und Ostfront. Am 26. September 1918 wurde der Verband bei Ripont an der Dormoise aufgerieben; große Teile gerieten in Gefangenschaft, die Reste formierten sich zu einem Bataillon. Nach dem Waffenstillstand marschierte das Regiment in die Heimat zurück und wurde vom 15. bis 18. Dezember 1918 in Meiningen demobilisiert und aufgelöst. Die Tradition übernahm 1921 die 5. Kompanie des 15. Infanterie-Regiments der Reichswehr. Das Regiment Nr. 95 wurde zur selben Zeit in Gotha, Hildburghausen und Coburg abgewickelt und im Januar 1919 aufgelöst.

Von den Kasernen des Kaiserreichs ist in Meiningen nur eine erhalten. Die Nordkaserne diente ab 1919 als Wohnhaus, wurde in den 1930er Jahren reaktiviert und verschwand zwischen 1994 und 2007 vollständig aus dem Stadtbild. Die Obere Kaserne, seit 1882 Sitz der „Herberge zur neuen Heimat“, wurde 1981 abgerissen; an ihrer Stelle liegt heute eine Grünanlage. Die Neue Kaserne fiel bereits 1880. Die Hauptkaserne dagegen wurde nach Reichswehr, Wehrmacht und über vierzig Jahren sowjetischer Belegung 1991 frei; das Land Thüringen erwarb 1993 drei Hektar des Geländes und richtete bis 2000 das Justizzentrum Meiningen und eine Polizeiinspektion ein, wobei das große Hauptgebäude umgebaut und integriert wurde. Das ehemalige Kasinogebäude wurde zur Seniorenresidenz, auf einem Teil des Areals entstand eine Filiale der Deutschen Bundesbank, ab 2012 ein Wohngebiet. Die beiden weiteren Meininger Kasernen, Drachenberg und Barbara, stammen erst aus der Aufrüstung der 1930er Jahre; auf dem Drachenberg befindet sich heute das Bildungszentrum der Thüringer Polizei.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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