Sondershausen liegt in Nordthüringen am Südrand der Hainleite im Tal der Wipper und war bis 1918 Residenzstadt des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen. Das Fürstentum zählte zu den kleinsten Bundesstaaten des 1871 gegründeten Deutschen Reiches und wies im Jahr 1910 rund 89.917 Einwohner auf. Regierungssitz, Hofhaltung und Landesbehörden waren in der Stadt konzentriert; sie blieb über das Kriegsende hinaus Landeshauptstadt, bis der Freistaat Schwarzburg-Sondershausen 1920 im Land Thüringen aufging. Als Landesherren regierten im Kaiserreich Karl Günther von 1880 bis 1909 und anschließend Günther Victor, der zugleich Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt war.
Die militärische Stellung des Kleinstaates wurde durch die am 4. Februar 1867 mit Preußen geschlossene Militärkonvention geregelt. Das Landeskontingent verlor damit seine Eigenständigkeit und wurde in das preußische Heer eingegliedert: Die Truppen des Fürstentums gingen im 3. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 71 mit Standort Erfurt auf, das seinerseits zum in Magdeburg stationierten IV. Armeekorps gehörte. Für das Fürstentum bedeutete die Konvention den endgültigen Verzicht auf eine eigene Armee, sicherte der Residenz jedoch zugleich einen dauerhaften Truppenstandort, wie er längst nicht allen deutschen Kleinstaaten verblieb.
Sondershausen war im Kaiserreich damit tatsächlich Garnisonsort und nicht lediglich Sitz eines fürstlichen Hoflagers oder einer Landwehrverwaltung. Während Regimentsstab sowie zwei Bataillone des Regiments Nr. 71 in Erfurt standen, lag ein Bataillon ständig in Sondershausen; regionalgeschichtliche Darstellungen bezeichnen es als I. Bataillon, dessen Verlegung in die Residenz im Zusammenhang mit der Militärkonvention erfolgte. Der Truppenstandort prägte das Stadtbild einer Kommune, die um 1890 erst 6.634 Einwohner zählte, in erheblichem Maß, da Unterbringung, Übungsbetrieb und Verwaltung des Bataillons einen nennenswerten Teil der städtischen Fläche und Wirtschaft beanspruchten.
Zur Unterbringung entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine neue, geschlossene Kasernenanlage, die mehrere über die Stadt verstreute ältere Quartiere ablöste, unter anderem die Gardekaserne, die Kaserne vor dem Wippertor, die Bankkaserne, die Waschkaserne und die Regierungskaserne. Erster Nutzer war das I. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 71. Die Anlage überdauerte alle folgenden Systemwechsel und diente nacheinander der Landespolizeischule, der Reichswehr, Aufklärungsverbänden, nach 1945 sowjetischen Truppen sowie Kasernierter Volkspolizei und Nationaler Volksarmee. Seit 1990 nutzt sie die Bundeswehr; den ursprünglichen Namen Karl-Günther-Kaserne führt sie seit dem 28. März 1994 wieder.
Kulturell bestimmten Schloss und Hofkapelle das Bild der Residenz. Die Schlossanlage, aus einer mittelalterlichen Burg hervorgegangen und ab 1533 zum Renaissanceschloss umgebaut, wurde um 1697 barock ausgestaltet und erhielt mit dem Riesensaal ihren repräsentativen Festraum; von 1837 bis 1838 folgten unter dem Baumeister Carl Scheppig klassizistische Umgestaltungen. Bis 1918 blieb das Schloss Sitz der Fürsten, seit 1994 wird es von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten betreut. Die Hofkapelle, deren Gründung auf das Jahr 1619 zurückgeführt wird, erlangte im 19. Jahrhundert überregionalen Rang: Max Bruch wirkte hier von 1867 bis 1870 als Hofkapellmeister und vollendete in dieser Zeit sein erstes Violinkonzert, Carl Schroeder gründete 1883 ein Konservatorium. Die bereits ab 1806 im Lohpark veranstalteten öffentlichen Konzerte gelten als eines der frühesten standesunabhängigen Konzertangebote in Deutschland.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt im Kaiserreich beruhte auf zwei Voraussetzungen. Bereits 1869 erhielt Sondershausen mit dem Bau der Bahnstrecke Nordhausen–Erfurt Anschluss an das Schienennetz; 1898 kam die Kyffhäuserbahn mit Verbindung nach Bad Frankenhausen hinzu. Die Eröffnung des ersten Kalibergwerks im Jahr 1893 markierte den Beginn der Industrialisierung und band die Residenzstadt an den mitteldeutschen Kalirevierverbund an. Das daraus hervorgegangene Bergwerk Glückauf gilt heute als ältestes und tiefstes noch befahrbares Kalibergwerk der Welt. Die Einwohnerzahl stieg von 4.858 im Jahr 1834 auf 6.634 im Jahr 1890 und erreichte 1933 einen Stand von 10.677.
Das Ende des Fürstentums kam im November 1918. Fürst Günther Victor dankte am 25. November 1918 ab und war damit der letzte deutsche Monarch, der auf den Thron verzichtete. An die Stelle des Fürstentums trat der Freistaat Schwarzburg-Sondershausen, der bis zu seinem Aufgehen im Land Thüringen 1920 fortbestand. Die Umbenennung der Fürstlichen Hofkapelle in Loh-Orchester Sondershausen im selben Jahr 1918 macht den Bruch auch institutionell sichtbar. Der Truppenstandort blieb dagegen bestehen und wurde in der Zwischenkriegszeit von der Reichswehr weitergenutzt.
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