Garnison Münster

Königreich Preußen
Heeresstandort

Königreich

Truppengattung

Heer

Koordinaten

51.9625° N, 7.6252° O

Heutiger Name

Münster

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Über die Garnison Münster

Münster gehörte zu den wenigen Städten des Deutschen Kaiserreichs, in denen sich zivile und militärische Zentralität überlagerten. Seit 1820 residierte hier das Generalkommando des VII. Armee-Korps, und zwar im ehemals fürstbischöflichen, nach 1815 königlich-preußischen Schloss, das Johann Conrad Schlaun im späten 18. Jahrhundert errichtet hatte. In denselben Mauern arbeitete die Behörde, die den gesamten Korpsbezirk verwaltete; wenige Straßen weiter saß mit dem Oberpräsidium die Spitze der Provinzialverwaltung Westfalens. Der Korpsbezirk reichte über Westfalen hinaus: Zum VII. Armee-Korps zählten 1914 die 13. Division mit Sitz in Münster und die 14. Division in Düsseldorf, also auch Teile des Rheinlands.

Für die Stadt bedeutete das eine ungewöhnliche Dichte an Stäben. Neben dem Generalkommando standen hier das Kommando der 13. Division, die 25. Infanterie-Brigade, die 13. Kavallerie-Brigade und die 13. Feldartillerie-Brigade. Vier Brigade- beziehungsweise Divisionsstäbe auf engem Raum prägten das gesellschaftliche Leben mindestens so stark wie die Mannschaften selbst: Generalstabsoffiziere, Adjutanten und Militärbehörden bildeten eine eigene Schicht neben Domkapitel, Regierung und Universität.

Die Truppe selbst war gemischt zusammengesetzt. Das Infanterie-Regiment „Herwarth von Bittenfeld“ (1. Westfälisches) Nr. 13 lag seit 1817 mit Stab und erstem Bataillon in Münster und war das Regiment, mit dem sich die Bürgerschaft am ehesten identifizierte. Das Kürassier-Regiment „von Driesen“ (Westfälisches) Nr. 4 kam im selben Jahr in die Stadt; seinen Namenszusatz nach Georg Wilhelm von Driesen trug es ab dem 27. Januar 1889. Sein Offizierkorps rekrutierte sich stark aus dem westfälischen Adel, die Mannschaften überwiegend vom Land. Das 2. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 22 wurde am 24. Oktober 1872 aufgestellt und blieb bis 1919 in Münster; es löste das ältere 1. Westfälische Feldartillerie-Regiment Nr. 7 ab, das seit 1832 hier gelegen hatte. Hinzu kam das Westfälische Train-Bataillon Nr. 7, die Nachschub- und Transportformation des Korps.

Zahlen machen das Gewicht der Garnison deutlich. Um 1820 zählte sie rund 2.000 Offiziere und Mannschaften bei etwa 15.000 Einwohnern; nach der Heeresreform von 1860 waren es über 3.000. Um 1871 entfielen damit fast zwölf Prozent der Stadtbevölkerung auf das Militär. Bis 1905 wuchs Münster auf 81.438 Einwohner, der militärische Anteil sank relativ, blieb aber sichtbar. Untergebracht wurden die Soldaten anfangs in Privatquartieren sowie in säkularisierten Klöstern und ehemals fürstbischöflichen Gebäuden – eine Belastung für die Bürgerhaushalte, die den Kasernenbau vorantrieb.

Die erste Kasernengeneration entstand in der Altstadt. 1820 wurde die Minoriten-Kaserne an der Neubrückenstraße belegt, 1821 folgte die Husarenkaserne an der Rosenstraße/Bergstraße. Am 24. April 1828 wurde der Grundstein der Ägidii-Kaserne am Aegidiimarkt gelegt; 1831 zogen sechs Kompanien des Infanterie-Regiments Nr. 13 in den vierstöckigen Backsteinbau ein, dessen Nordflügel sich fast neunzig Meter an der Johannisstraße entlangzog. 1860 kam die Train-Kaserne im Bereich der Hammer Straße hinzu, 1861 bis 1864 die Hörster-Kaserne an der Lotharingerstraße. Keiner dieser Innenstadtbauten hat überdauert; die Münzkaserne fiel 1898, die Husarenkaserne bereits 1890.

Nach 1875 verlagerte sich der Kasernenbau an den Stadtrand, vor allem in den Streifen zwischen Steinfurter und Grevener Straße. 1892 bis 1894 entstand dort die Artilleriekaserne an der Grevener Straße 64, die als erste moderne Kasernenanlage der Stadt gilt und ab 1894 vom Feldartillerie-Regiment Nr. 22 bezogen wurde. Von 1898 bis 1901 folgte auf rund elf Hektar an der Steinfurter Straße in Sentrup die Reiterkaserne mit Stallungen, Wagenhäusern, Reithalle und Kasino; am 21. September 1901 rückte das Kürassier-Regiment Nr. 4 ein. 1913 begann der Bau einer eigenen Infanteriekaserne an der Grevener Straße, die kriegsbedingt erst 1922 fertig wurde.

Die Garnison hatte auch einen überseeischen Bezug. Angehörige des Westfälischen Train-Bataillons Nr. 7 wurden 1901 zur Niederschlagung des Boxeraufstands in China eingesetzt und 1905/06 im Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika, dessen Vorgehen gegen Herero und Nama die Bundesregierung 2015 als Völkermord anerkannt hat. Auf dem Traindenkmal sind drei in diesen Einsätzen gestorbene Soldaten namentlich verzeichnet – ein Hinweis darauf, dass eine Provinzgarnison unmittelbar in die Kolonialpolitik des Reiches eingebunden war.

Mit Kriegsbeginn 1914 rückten die Regimenter aus, und die Stadt bekam eine neue Funktion. Das stellvertretende Generalkommando des VII. Armee-Korps übernahm für die Provinz Westfalen und den Regierungsbezirk Düsseldorf die Aufgaben einer zivilen Oberbehörde: Musterung, Pressezensur, Lebensmittelbewirtschaftung und Preisregelung liefen über Münster. Der kommandierende General Karl von Einem war an die Front gegangen, ab Mitte November 1914 führte Egon Freiherr von Gayl die Vertretung. Die Verluste waren erheblich – das Feldartillerie-Regiment Nr. 22 verlor 52 Offiziere und 343 Unteroffiziere und Mannschaften, das Kürassier-Regiment Nr. 4 verzeichnete 209 Tote, allein 120 davon im Jahr 1918.

Nach 1918 wurden die Verbände aufgelöst, das Generalkommando 1919 geschlossen. Erinnert wird an sie durch Denkmäler: Das Kürassier-Denkmal an der Grünfläche am Aegidiitor, 1964 nach einem Entwurf von Bernhard Graf von Plettenberg eingeweiht, ersetzte zwei Vorgängerbauten von 1924 und 1930. Baulich ist die Konversion weit gediehen. Die Reiterkaserne an der Steinfurter Straße, zwischenzeitlich Von-Einem-Kavalleriekaserne genannt, wurde zwischen 1999 und 2009 zum Leonardo-Campus umgebaut und beherbergt heute Einrichtungen der Universität, der FH Münster und die Kunstakademie. Die Infanteriekaserne an der Grevener Straße diente nach 1945 als britische Lincoln-Kaserne und wurde nach dem Abzug 1994 zum Wohnquartier. Die um 1910 angelegte zweite Trainanlage zwischen Habichtshöhe und Weißenburgstraße wurde in den 1990er Jahren zu Münsters erster autofreier Siedlung. Das Schloss, einst Sitz des Generalkommandos, ist seit 1954 Hauptgebäude der Universität.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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