Garnison Oldenburg

Großherzogtum Oldenburg
Heeresstandort

Großherzogtum

Truppengattung

Heer

Koordinaten

53.1390° N, 8.2146° O

Heutiger Name

Oldenburg

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Über die Garnison Oldenburg

Oldenburg war im 19. Jahrhundert Residenz eines der kleineren deutschen Bundesstaaten. Das Großherzogtum unterhielt seit 1813 eigene Truppen: Herzog Peter Friedrich Ludwig führte am 24. Dezember 1813 die allgemeine Wehrpflicht ein und stellte ein Infanteriekorps aus zwei Bataillonen zu je vier Kompanien auf. Aus dieser Gründung ging das spätere Infanterie-Regiment Nr. 91 hervor, dessen Stiftungstag das Regiment bis 1918 beging. 1849 kam ein Reiterregiment hinzu, das Großherzog Paul Friedrich August am 26. April jenes Jahres anordnete.

Das Verhältnis zu Preußen war bereits vor der Reichsgründung eng, allerdings zunächst über die Marine. Mit dem Jade-Vertrag vom 20. Juli 1853 trat Oldenburg zwei Gebietsteile an der Jadebucht an Preußen ab – zusammen rund 313 Hektar, davon etwa 94 Hektar festes Land, im Wesentlichen ein Teil der Gemeinde Heppens mit 137 Einwohnern sowie die unbewohnte Siedlung Eckwarderhörne. Preußen zahlte eine halbe Million Taler in drei Raten. Auf diesem Streifen entstand der einzige natürliche Tiefwasserhafen der deutschen Nordseeküste und damit der Kriegshafen, der 1869 den Namen Wilhelmshaven erhielt. Oldenburg blieb also Nachbar einer preußischen Marineenklave, ohne selbst je eine Flotte zu besitzen.

Die militärische Eigenständigkeit endete nach dem Deutschen Krieg. Oldenburg hatte 1866 auf preußischer Seite gestanden und trat dem Norddeutschen Bund bei; die Militärkonvention zwischen Preußen und Oldenburg vom 15. Juli 1867 regelte die Übernahme des Kontingents. Zum 1. Oktober 1867 erhielten die beiden Verbände ihre preußischen Nummern: Oldenburgisches Infanterie-Regiment Nr. 91 und Oldenburgisches Dragoner-Regiment Nr. 19. Anders als Sachsen, Hessen oder Braunschweig behielt Oldenburg kein eigenständiges Kontingent – die Truppen galten als unmittelbare Bestandteile der preußischen Armee. Die Aushebung der Wehrpflichtigen ging auf preußische Behörden über, Preußen trug die Kosten für Ergänzung, Organisation und Erstausstattung mit Ausnahme der Kaserneneinrichtung.

Dem Großherzog blieben vor allem repräsentative Befugnisse. Er war Regimentschef; für das Infanterie-Regiment Nr. 91 übertrug Wilhelm II. diese Stellung am 23. Juni 1900 auf Großherzog Friedrich August. Hinzu kamen ein Vorschlagsrecht bei Offiziersbesetzungen und die Ernennung von drei Adjutanten, während die tatsächliche Kommandogewalt preußisch war. Das oldenburgische Landdragonerkorps wurde in eine Gendarmerie umgewandelt, die militärisch Preußen unterstand, polizeilich aber dem großherzoglichen Innenministerium. Bemerkenswert ist, dass die verfassungsrechtlichen Militärverhältnisse des Landes auch nach 1871 nicht durch die Reichsverfassung, sondern weiter durch den Kontingentsvertrag von 1867 bestimmt wurden.

Im Verwaltungsgefüge des Kaiserreichs gehörte Oldenburg zum X. Armeekorps mit Generalkommando in Hannover. Die Regimenter zählten zur 19. Division, deren Stab ebenfalls in Hannover lag; der Stab der 37. Infanterie-Brigade dagegen saß in Oldenburg selbst. 1899 kam Artillerie hinzu: Das am 25. März 1899 aus Teilen des 2. Hannoverschen Feldartillerie-Regiments Nr. 26 gebildete Regiment legte seine I. Abteilung nach Oldenburg, die II. zunächst nach Verden und ab 1903 nach Osnabrück. Am 27. Januar 1902 erhielt es den Namen Ostfriesisches Feldartillerie-Regiment Nr. 62 – eine Bezeichnung, die nicht die Standorte, sondern die Herkunft eines Teils der Ersatzmannschaften spiegelte. Es setzte die Traditionslinie der oldenburgischen Artillerie fort und gehörte zur 19. Feldartillerie-Brigade.

Bewährungsproben brachten die Kriege. 1870/71 kämpfte das Infanterie-Regiment Nr. 91 in der 19. Division unter anderem in den Tronviller Büschen bei Vionville und vor Metz; die Verluste waren erheblich, bis 1873 blieb es als Besatzungstruppe in Frankreich. Das Dragoner-Regiment Nr. 19 war an den Spicherer Höhen, bei Mars-la-Tour und Gravelotte sowie vor Paris eingesetzt und verlor vier Offiziere und 26 Mann. Zwischen 1893 und 1896 kommandierte Paul von Hindenburg das Regiment 91 – für die Stadt eine Verbindung, die nach 1918 in der Erinnerungskultur eine große Rolle spielte.

Der Erste Weltkrieg begann für die Oldenburger mit der Mobilmachung am 2. August 1914. Das Infanterie-Regiment Nr. 91 sicherte zunächst Wilhelmshaven und Borkum und rückte ab dem 12. August nach Belgien; im weiteren Kriegsverlauf wechselte es mehrfach zwischen der 37. und der 38. Infanterie-Brigade der 19. Infanterie-Division und kämpfte an West- wie Ostfront. Die Bilanz war verheerend: Rund 20.989 Mann und Offiziere durchliefen das Regiment, unter den Verlusten waren 107 gefallene Offiziere und 3.767 gefallene Unteroffiziere und Mannschaften. Das Dragoner-Regiment Nr. 19 verlor sechs Offiziere und 101 Mann.

Am 28. Dezember 1918 kehrte das Infanterie-Regiment über Osternburg nach Oldenburg zurück und wurde demobilisiert; die förmliche Auflösung erfolgte am 30. September 1919. Das Dragoner-Regiment löste sich 1919 auf, Teile der Mannschaft bildeten den Freiwilligenverband Dragoner 19, der in die Reichswehrkavallerie überging. Das Feldartillerie-Regiment Nr. 62 wurde ab dem 10. Januar 1919 demobilisiert und am 31. Mai 1919 aufgelöst. Die Tradition der 91er übernahm 1921 eine Kompanie des Reichswehr-Infanterie-Regiments 16 in Oldenburg. Im selben Jahr entstanden gleich drei Denkmäler: das 91er-Denkmal von Hugo Lederer, eingeweiht am 18. September 1921 vor der Schlosswache, das Dragonerdenkmal in Osternburg und die Ehrenhalle der oldenburgischen Artillerie an der Ofener Straße, eingeweiht am 25. September 1921 nach einem Entwurf von Kurt Boschen.

Von der Garnison ist im Stadtbild mehr geblieben als in vielen anderen Standorten. Am Pferdemarkt, wo 1820 die erste und 1836 eine zweite Infanteriekaserne standen, beherbergt der Neubau von 1900 bis 1902 heute die Landesbibliothek Oldenburg; die benachbarte Rote Kaserne dient seit 1994 als Studentenwohnheim. Die Artilleriekaserne an der Ofener Straße gehört zur Jade Hochschule, die Ehrenhalle steht dahinter. Die 1859 bezogene Kavalleriekaserne in Osternburg, später Dragonerkaserne genannt, überstand Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr und wurde am 23. Juni 1980 abgebrochen. Straßennamen wie 91er-Straße und Dragonerstraße erinnern weiter an die Zeit, in der zwei Regimenter das Leben der Residenzstadt prägten.

Stationierte Einheiten und Verbände

Kasernen, Festungen und militärische Standorte

Quellen

Literatur zur Militärgeschichte

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