Rudolstadt an der Saale war Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt, eines der kleinsten Bundesstaaten des Deutschen Reiches. Über der Stadt liegt das Schloss Heidecksburg, Sitz des Fürstenhauses. 1905 zählte Rudolstadt rund 12.500 Einwohner; neben Ministerium, Konsistorium, Landratsamt und Landgericht war die Stadt zugleich Garnison – allerdings nur für einen einzigen Truppenteil, ein Infanteriebataillon.
Die militärische Weichenstellung fiel 1866. Die Regierung des Fürstentums stimmte am 14. Juni 1866 gegen den österreichischen Antrag, die Bundesarmee gegen Preußen zu mobilisieren, und trat auf Grundlage des Vertrags vom 18. August 1866 dem Norddeutschen Bund bei. Damit ging die Militärhoheit auf Preußen über. Anders als große Bundesstaaten behielt Schwarzburg-Rudolstadt kein eigenes Kontingent unter eigener Verwaltung.
Rechtlich geschah dies über eine Militärkonvention. Maßgeblich war die Konvention Preußens mit dem Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach vom 4. Februar 1867 nebst Protokoll vom 22. Februar 1867, der Schwarzburg-Rudolstadt – wie auch Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Anhalt, Schwarzburg-Sondershausen, beide Reuß, Lippe und Schaumburg-Lippe – beitrat. Solche Konventionen bedeuteten einen weitgehenden Verzicht der Landesherren auf militärische Hoheitsrechte: Verwaltung des Kontingents und Ernennung der Offiziere gingen auf den König von Preußen über, dem Fürsten blieben im Wesentlichen Ehrenrechte.
Zum 1. Oktober 1867 wurden die schwarzburg-rudolstädtischen Truppen mit den reußischen und den altenburgischen zum 7. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 96 vereinigt. Das Regiment vereinte damit die Kontingente von vier Kleinstaaten. Das III. Bataillon, das Füsilierbataillon, bezog Garnison in Rudolstadt; der jeweils regierende Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt war ihm als Chef zugeordnet. Der Regimentsstab lag zunächst in Altenburg, ein weiteres Bataillon in Gera.
Die Zuordnung im preußischen Heeresaufbau blieb nicht konstant. Für die Ersatzgestellung gehörte das Fürstentum zum Bezirk des IV. Armeekorps in Magdeburg. Mit der Aufstellung der 38. Division in Erfurt am 1. April 1899 stand das Regiment Nr. 96 in der 83. Infanterie-Brigade und damit im XI. Armeekorps (Kassel), gemeinsam mit dem 5. Thüringischen Infanterie-Regiment Nr. 94. Die Rudolstädter Kompanien waren also Teil eines thüringisch geprägten Großverbandes, dessen Stäbe in Erfurt und Kassel saßen.
Auch die Zusammensetzung des Regiments verschob sich. 1896 schied Sachsen-Altenburg aus; sein Kontingent bildete den Kern des 1897 aufgestellten 8. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 153. Der Regimentsstab der 96er verlegte in der Folge von Altenburg nach Gera — die Quellen datieren den Umzug unterschiedlich auf 1896 oder auf den 30. September 1909 —, das I. Bataillon rückte 1909 aus Naumburg nach. Vor dem Ersten Weltkrieg lagen damit Stab, I. und II. Bataillon sowie die Maschinengewehr-Kompanie in Gera, das III. Bataillon in Rudolstadt.
Für dieses Bataillon entstand in den Jahren 1888 bis 1890 ein neuer Kasernenbau am westlichen Stadtrand, zwischen Schwarzburger Chaussee und Klinghammerstraße. Der wuchtige Klinkerbau mit kleineren Nebengebäuden ist bis heute als 96er Kaserne bekannt und prägt das Quartier am Bayreuther Platz. Er ersetzte die zuvor behelfsmäßige Unterbringung des Bataillons in der Residenzstadt.
Am 1. August 1914 erhielt das Regiment den Mobilmachungsbefehl. Fürst Günther Victor verabschiedete das III. Bataillon am 9. August auf dem Rudolstädter Marktplatz. Das Regiment kämpfte in Belgien, in Russland und in Frankreich; die Verluste der 96er werden mit 3.505 Gefallenen und Vermissten angegeben. Im Januar 1919 kehrte das III. Bataillon mit rund 100 Mann in die Garnison zurück und wurde aufgelöst. Mit dem Thronverzicht Günther Victors im November 1918 endete zugleich das Fürstentum.
Die Kaserne überdauerte alle Regime. 1919/20 nutzte sie das Reichswehr-Infanterie-Regiment 21, zwischen 1926 und 1938 diente sie als Wohnraum, danach bis 1945 als Wehrbezirkskommando, 1945 bis 1947 belegte sie die Rote Armee. Von den 1950er Jahren bis 1990 nutzten Ausbildungseinheiten der DDR-Grenztruppen den Standort. Nach einem Umbau in den 1990er Jahren zog 1997 die Staatliche Regelschule Friedrich Schiller ein. Die Erinnerung an das Regiment pflegt das Regionalmuseum auf der Heidecksburg.
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